Raphaela Dell

Mit einer Kombination aus Psychologie, Organisationslehre und Methoden aus der Welt der Kultur und der Philosophie, befähigt sie Menschen ihr Potential voll zu nutzen.

Mit einer Kombination aus Psychologie, Organisationslehre und Methoden aus der Welt der Kultur und der Philosophie, befähigt sie Menschen ihr Potential voll zu nutzen.

Interesse geweckt?
Schreib uns eine E-Mail, ruf uns an oder nutze einfach unser Kontaktformular.

Zur Übersicht
Zur Übersicht

Warum Trauerredner:innen einen Workflow brauchen

Wie gehst du professionell vor, damit aus einem emotionalen Auftrag eine gute Rede wird, ohne dass du dich dabei verzettelst oder verausgabst?

Genau an dieser Stelle fehlt vielen Trauerrednerinnen und freien Rednerinnen etwas sehr Entscheidendes: ein sinnvoll aufgebauter Arbeitsablauf. Im Unternehmerischen nennen wir das einen Workflow. Das klingt zunächst vielleicht nüchtern für einen Beruf, der so viel mit Nähe, Menschlichkeit und Sprache zu tun hat. Aber genau darum lohnt sich der Gedanke.

Ein Workflow ist keine kalte Schablone. Und er ist auch kein Versuch, Menschen über einen Kamm zu scheren. Gemeint ist etwas viel Einfacheres und zugleich viel Wichtigeres: dass du deiner Arbeit eine Form gibst, auf die du dich verlassen kannst. Dass du weißt, wie du in ein Gespräch einsteigst, wie du Angehörige vorbereitest, wonach du fragst, wie du zuhörst, wie du Informationen festhältst, wie du sie ordnest und wie du von diesem oft sehr dichten Material zu einer Rede kommst, die trägt.

Viele Menschen gehen mit viel Herz in diesen Beruf. Das ist gut, sogar unverzichtbar. Ohne echte Neugier, Zugewandtheit und Mitgefühl wird freie Rede schnell leer. Aber Herz allein organisiert noch keinen Auftrag. Es beantwortet nicht die Frage, wie du dich auf ein Vorgespräch vorbereitest. Es sagt dir nicht, in welcher Reihenfolge du vorgehst, wie du Wichtiges von weniger Wichtigem trennst oder wie du dafür sorgst, dass du nicht jedes Mal wieder ganz von vorne anfangen musst.

Und genau das ist in vielen Fällen der Knackpunkt.

Es gibt Rednerinnen, die bei jedem Auftrag wieder bei null starten. Sie lassen sich komplett auf die jeweilige Person ein, was erst einmal sehr edel und individuell klingt. In der Praxis führt es aber oft dazu, dass sie später viel zu lange mit dem Stoff ringen, zu viel Material haben, keine klare Priorisierung finden und sich beim Schreiben und Überarbeiten erschöpfen. Dann wird ein einzelner Auftrag schnell zu einem riesigen Zeitblock, der kaum noch in einem vernünftigen Verhältnis zum Honorar steht.

Das ist kein Zeichen mangelnder Begabung. Es ist meistens ein Zeichen dafür, dass die Arbeit keine tragfähige innere Struktur hat.

Ein guter Workflow hilft dir genau dabei. Nicht, damit du standardisiert arbeitest, sondern damit du wiederholbar gute Qualität erzeugen kannst, ohne dich jedes Mal neu zu verausgaben. Er gibt dir einen inneren Rahmen, an dem du dich orientieren kannst, während du gleichzeitig offen bleibst für die Individualität des Menschen und der Situation. Er nimmt dir nichts von deiner Menschlichkeit. Im besten Fall schützt er sie sogar.

Denn wenn du keine Form für deine Arbeit entwickelst, frisst dich der Beruf irgendwann auf. Dann sammelst du zu viel, hörst zu lange zu, fragst an den falschen Stellen nach, schreibst mehrfach um, gerätst in Zeitdruck und wunderst dich irgendwann, warum ein Beruf, der dir einmal so viel bedeutet hat, sich plötzlich schwer und unerquicklich anfühlt. Nicht wenige Rednerinnen arbeiten genau an diesem Punkt gegen sich selbst, obwohl sie eigentlich sehr gut sind.

Ich habe für mich irgendwann verstanden, dass ich mich nicht nur als zugewandte Begleiterin sehen darf, sondern auch als professionell arbeitende Dienstleisterin. Das war kein Verlust an Wärme, sondern ein Gewinn an Klarheit. Ich habe angefangen, meine eigenen Abläufe zu hinterfragen: Was brauche ich wirklich? Was hilft mir? Was bremst mich? Wo verliere ich unnötig Zeit? Wie kann ich die Qualität meiner Arbeit steigern und gleichzeitig meine Energie besser schützen?

Das war ein wichtiger Wendepunkt.

Denn ich arbeite ja nicht nur als Rednerin, sondern auch in anderen beruflichen Zusammenhängen mit Organisationen, Abläufen und der Frage, wie Qualität und Effizienz zusammenfinden können. Irgendwann habe ich begonnen, diesen Blick auch auf meine eigene rednerische Arbeit anzuwenden. Ich habe also nicht nur an Sprache und Wirkung gearbeitet, sondern auch an meinen Prozessen.

Und siehe da: Es geht mir besser damit.

Ich brauche heute weniger Zeit für bessere Ergebnisse. Ich bin klarer in meinen Gesprächen, sicherer in meinen Entscheidungen und viel weniger dem Gefühl ausgeliefert, dass jeder Auftrag mich wieder komplett verschlingt. Vor allem aber habe ich gemerkt, dass gute Arbeitsabläufe nichts Trockenes sind. Sie machen meine Arbeit nicht mechanisch, sondern tragfähiger. Und sie geben mir etwas zurück, das in diesem Beruf kostbar ist: Freude.

Genau deshalb ist das Thema Workflow für mich kein Nebenthema, sondern ein Kernpunkt professioneller Rednerausbildung. Wer von dieser Arbeit leben will, darf sie nicht jeden Monat neu erfinden. Wer dauerhaft gute Reden schreiben und halten möchte, braucht nicht nur Herz, sondern auch Struktur. Nicht nur Hingabe, sondern auch einen klaren inneren Ablauf. Nicht nur Empathie, sondern auch ein professionelles Verständnis dafür, wie aus einem emotionalen Auftrag eine gute Rede wird.

Ich werde meinen eigenen Workflow nicht in einem Blogartikel offenlegen. Dafür gibt es Ausbildungen, vertiefende Gespräche und die Möglichkeit, auf der Messe wirklich ins Detail zu gehen. Aber ich möchte den Blick dafür schärfen, dass genau hier für viele der eigentliche Schmerzpunkt liegt.                                    Es mangelt nicht an der fehlenden Herzlichkeit. Nicht an der fehlenden Bereitschaft. Sondern an der fehlenden Struktur.

Und vielleicht ist das schon die wichtigste Erkenntnis:                                                                                        Wenn du in diesem Beruf ständig zu lange brauchst, zu viel gibst, zu wenig verdienst und abends das Gefühl hast, dass du völlig erschöpft bist, dann fehlt dir  nicht das Talent. Dir fehlt dir einfach ein Workflow.

 

Zur Übersicht

Zur Personlisierung und zur Verbesserung der Nutzererfahrung nutzen wir zu Marketing- und Analysezwecken auf diesen Seiten Cookies.