Raphaela Dell

Mit einer Kombination aus Psychologie, Organisationslehre und Methoden aus der Welt der Kultur und der Philosophie, befähigt sie Menschen ihr Potential voll zu nutzen.

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Was ich neuen freien Redner:innen für den Berufsstart rate

Wer neu in den Beruf der freien Rednerin oder des freien Redners einsteigt, denkt oft zuerst an Sprache, an Präsenz, an das Vorgespräch, an die Wirkung der eigenen Worte. Das ist verständlich, denn genau dort scheint die eigentliche Kunst zu liegen. Und natürlich stimmt das auch. Eine gute Rede braucht Haltung, Menschenkenntnis, eine klare Sprache und die Fähigkeit, einen Raum wirklich zu halten.

Aber je länger ich in diesem Beruf arbeite, desto deutlicher wird mir: Gute Reden sind nur die halbe Wahrheit. Denn Trauerreden sind  eingebettet in ein Gefüge aus Angehörigen, Berater:innen, Bestattungsinstituten, Friedhofslogik, Technik, Musik, Zeitfenstern und stillen Erwartungen.

Wer in diesem Beruf gut arbeiten will, sollte deshalb nicht nur schreiben lernen, sondern auch verstehen, in welchem System er sich bewegt und wie man darin klug, partnerschaftlich und professionell agiert.

Was ich jungen freien Rednerinnen und Rednern deshalb rate, ist ziemlich konkret: Entwickelt früh eigene Standards für Zusammenarbeit. Nicht als starres Korsett, sondern als verlässliche Grundlage, auf die ihr euch verlassen könnt. Gute Standards machen euch nicht unflexibel. Sie helfen euch vielmehr, auch in unterschiedlichen Konstellationen klar und professionell zu bleiben.

Dazu gehört für mich zuerst, jede Beraterin und jeden Berater vor der ersten Zusammenarbeit kurz kennenzulernen. Fragt nach, wie dort gearbeitet wird. Was ist wichtig? Wie werden Zeiten gehandhabt? Welche Informationen werden frühzeitig gebraucht? Wie laufen die Abläufe im Haus normalerweise? Welche Eigenheiten gibt es?

Ich halte das für essenziell. Nicht, weil man als Rednerin unsicher wäre oder sich klein machen müsste. Sondern weil jedes Institut seine eigene Kultur, seine eigene Taktung und seine eigenen stillen Regeln hat. Zusammenarbeit wird fast immer leichter, wenn Menschen sich in ihren Bedürfnissen und Standards gesehen fühlen.

Ebenso wichtig ist es, Abläufe rechtzeitig zu schicken, Musik und Technik mitzudenken, Übergänge sichtbar zu machen und für Sicherheit zu sorgen bei denen, die euch zuarbeiten. Wenn Sprache und Musik eng ineinandergreifen, wenn ein Ablauf dramaturgisch gebaut ist oder wenn bestimmte Einsätze sauber vorbereitet sein müssen, dann ist es aus meiner Sicht professionell, diese Informationen nicht erst im letzten Moment mündlich fallen zu lassen, sondern sie so aufzubereiten, dass andere damit wirklich arbeiten können.

Dazu gehört auch, Notfälle mitzudenken. Was ist, wenn auf dem Weg etwas passiert? Wenn ein Stau die Taktung sprengt? Wenn jemand kurzfristig ausfällt? Wer hat dann die Rede? Wer könnte im Zweifelsfall einspringen? In einem so sensiblen Beruf sollte man über solche Dinge nicht erst nachdenken, wenn der Ernstfall eintritt.

Und genauso wichtig finde ich, nach einer Feier nicht einfach wortlos wieder zu verschwinden. Ein kurzer Austausch im Nachgang hilft enorm. Was war gut? Wo war es eng? Was kann man beim nächsten Mal besser abstimmen? Diese paar Minuten helfen nicht nur der Rednerin, sondern dem ganzen System. Qualität wächst dort, wo man nicht bloß abliefert, sondern miteinander lernt.

Was mich bis heute erstaunt, ist, wie selten über genau diese Ebene unseres Berufs gesprochen wird. Über Texte, Wirkung und Haltung ja. Über die Kunst, sich in eine Infrastruktur hineinzudenken und darin professionell, klug und partnerschaftlich zu agieren, erstaunlich wenig.Dabei gehört genau das zur Berufswirklichkeit dazu.

Und genau deshalb ist es auch Teil unserer Ausbildung in der Heldenschmiede Rednerschule. Dass man nicht nur sprechen, schreiben und Menschen begleiten lernt, sondern auch versteht, in welchem Gefüge man arbeitet. Dass man sich fragt: Was ist mir wichtig? Wie gehe ich auf Menschen zu? Wie baue ich Standards auf, die Zusammenarbeit erleichtern, statt sie dem Zufall zu überlassen?

Denn gute Trauerreden sind nicht nur Worte. Sie sind auch die gute Abstimmung mit allen Kolleginnen und Kollegen, die dir zuarbeiten, damit am Ende ein würdiges Ganzes entstehen kann.

Frischgebacken

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